Für den Verein freier Menschen…

„Palästina Holocaust“ – „Tod, Tod Israel“ – „Ihr braucht größere Öfen“

Seit den gezielten Luftangriffen, spätestens aber nach dem Einmarsch der israelischen Verteidigungsarmee in den Gazastreifen vor zwei Wochen, häufen sich beinahe weltweit die antiisraelischen Demonstrationen, auf denen der friedensbewegte Mob sich unreflektiert dazu hinreißen lässt, sich solidarisch zu zeigen mit der palästinensischen Volksbefreiungsbewegung und dabei auch nicht davon lassen kann, so zu tun, als würde Israel einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Palästinenserinnen und Palästinenser führen.
Hamas, eine antisemitische Terrororganisation, anerkennt Israel nicht als das was es ist – ein Schutzraum für die Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen. Hamas geht es um die Errichtung eines Gottestaates auf Grundlage der Scharia und auf genau dem Gebiet, in dem Israel sich jetzt befindet; kurz gesagt also um nichts als deren Auslöschung. Allein seit 2001 hat Hamas, ideologisch und materiell vom Mullahregime Irans unterstützt, über 10.000 Raketen auf zivile Ziele in israelischen Städte abgefeuert, hinzu kommen die unzähligen Selbstmordattentate.
Der Protest der bunten Schar der Friedensbewegten nun aber versäumt es, sowohl die antisemitische Charta von Hamas, die Israels historische Legitimität und den Zionismus als besonderen israelischen Gründungsmythos im Vernichtungswahn persistent militant abspricht, zumindest einmal infrage zu stellen. Noch erkennen die Friedensbewegten die Selbstschutzmaßnahme Israels als aufklärerischen Akt für eine plurale Gesellschaft, in der etwa Frauen nicht zwangsverheiratet und gesteinigt werden und Homosexuelle sich freizügig bewegen können, an. Die Zerschlagung von Hamas ist daher auch für die PalästinenserInnen nur allzu unvermeidlich.
Die Gründe, das heißt Vorwände für diese „Friedenspolitik“, die allzu oft ihre Ursache in verkürzter Kapitalismuskritik (Solidarität mit den vermeintlich Schwächeren, moralisierende Umverteilungs-/Reformpolitik, Israel als Brückenkopf eines US-Imperialismus) haben, sind schwerlich zu ertragen. Der zynisch reaktionären Auswurf der „Friedensbewegung“ kulminiert, in der Parteinahme für das Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie es von den TeilnehmerInnen aus einem bürgerlich-demokratisch, proletarisch-sozialistischem oder eben völkisch-nazifaschistisch Selbstverständnis heraus tun. Jüdinnen und Juden sind kein Volk, sie sind eine Gesellschaft.
Der marxsche Imperativ, alle „Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“, macht, im Verhältnis des falschen Ganzen und der Möglichkeit des Schlimmsten, nunmehr nur noch im Bezug auf Adornos Forderung Sinn:
Auf Dauer kann, im Stande der Unfreiheit, dafür nur gesorgt werden, dass nichts Ähnliches wie Auschwitz sich wiederhole, nämlich nur, wenn diese Unfreiheit, also die gesellschaftlichen Ursachen für den antisemitischen Wahn ausgeräumt werden, wenn man sich also auch der marxschen Forderung verpflichtet fühlt. Weil nun letztere leider keine unmittelbare Aussicht auf Erfolg hat, muss am zionistischen Imperativ festgehalten werden – alles zu tun also – um die Möglichkeiten der Überlebenden der Shoah, als Gesellschaft, nicht als Volk aufrecht zu erhalten:

Gegen den Krieg –
Für den Verein freier Menschen –
Israel bis zum Kommunismus!

Photobucket


10 Antworten auf “Für den Verein freier Menschen…”


  1. 1 devnull 12. Januar 2009 um 22:22 Uhr

    Das Statement „Hamas böse – Israel gut!“ hätte es doch auch getan. Da hätte man sich das wiederkäuen nationalistischer Ideologien ersparen können ohne am Inhalt Abstriche zu machen.

  2. 2 devnull 13. Januar 2009 um 23:31 Uhr

    …ich will ja nicht nur rummotzen:

    1. Die Hamas führt einen Terrorkrieg, während die Kampfhandlungen von Israel Verteitigungsmaßnahmen darstellen.

    Na herrlich! Noch bevor ihr irgendeine Aussage über den Nahen Osten oder die hiessige Friedensbewegung macht, gebt ihr jede kritische Distanz auf, die man sich mal einen Augeblick bewahren sollte, wenn man diese Gegenstände beurteilen will und ergreift Partei für euren Lieblingsstaat. Der Inhalt des Arguments „Verteitigungsmaßnahme“ sagt ja nicht nur, dass ein Staat nunmal zurückschiesst, wenn er angegriffen wird, sondern dass das klar geht. Die Wörter „Verteitigung“ bzw. „Terror“ sind die üblichen moralischen Kategorien, mit denen ein Staat seine Kampfhandlungen rechtfertigt. Leute, die so reden, wollen nie und nimmer erklären, wieso jetzt gebombt und geschossen wird, sondern an die nationalistische Moral appellieren, dass ihr Vorgehen ihr gutes Recht ist. (Im Übrigen sollte es euch zu denken geben, dass die Hamas ihre Raketenschießerei mit den den selben Argumenten rechtfertigt.) Das Verhältnis zwischen Staat und Gewalt, ist somit aus dem Fokus der Kritik, noch bevor sich überhaupt ein Begriff davon gemacht wurde. Stattdessen soll man den Grund für den Krieg im Terrorismus des Feindes suchen (Hamas oder Israel – je nach dem).

    2. Israel ist ein Schutzraum für die Juden.

    Das ist euer Idealismus in Bezug auf Nationalstaaten. Und der blamiert sich noch nicht mal an der Realität. Da haben nach dem zweiten Weltkrieg ein paar Juden ernst mit ihrer Idee gemacht, einen Staat zu errichten, in dem sie die Herren sind. Und seit dem zwingt ihnen ihr Staatsgründungswille einen Krieg gegen alle anderen sich widersetztenden Gewalten auf. Denn was ist schon ein Staat anderes, als ein Souverän auf einem bestimmen Territorium, also ein Gewaltmonopol? Und das will ja erstmal hergestellt sein. Dass das weder für die Bevölkerung dieses Staates ein Zuckerschlecken ist, noch für seine Feinde, kann man sich eigentlich vorstellen. Allerdings kann man sich davon auch ein Bild machen. Zum Beispiel indem man mal die Kriege zur Kenntnis nimmt, die Israel zur Durchsetzung seiner Souveränität in den vergangenen 60 Jahren geführt hat, oder von mir aus den Umstand registriert, dass jeder Israeli einen zwei- bzw. dreijährigen Militärdienst abzuleisten hat – und Militärdienst in Israel bedeutet nicht, seine Zeit nur auf Übungsplätzen zu fristen. Schon daran macht sich das Argument „Schutzraum für Juden“ absolut lächerlich. (Im Übrigen kann man an jedem Scheissstaat der Welt nachvollziehen, dass Staatsgründungen eine blutige Angelegenheit sind.)

    nagut…

  3. 3 narf 14. Januar 2009 um 0:53 Uhr

    du verkennst die besondere situation beim umgang mit dem nahost-konflikt. natürlich gebe ich dir recht bei deiner analyse eines allgemeinen staates. wenn sich allerdings ein „friedensbewegter Mob“ versammelt und unreflektiert die hamas idiologie verbreitet und einen (gottes)staat fordert ist etwas gegen wind angebracht. eine auf diskurs und emanzipation ausgerichtete soziale bewegung kann sich nicht hinter eine volksbefreiungsbewegung stellen.
    von daher ist intervention in diese „bunten Schar der Friedensbewegten“ dringend notwendig und angebracht.

  4. 4 scheckkartenpunk 14. Januar 2009 um 5:31 Uhr

    „Und der blamiert sich noch nicht mal an der Realität. Da haben nach dem zweiten Weltkrieg ein paar Juden ernst mit ihrer Idee gemacht, einen Staat zu errichten, in dem sie die Herren sind. Und seit dem zwingt ihnen ihr Staatsgründungswille einen Krieg gegen alle anderen sich widersetztenden Gewalten auf.“

    ja da schau her. da offenbart israel tatsächlich seinen doppelcharakter. nicht nur, daß sich juden gegen die angriffe wehren müssen, denen sie ohnehin schon ausgesetzt waren: nein, die tatsache, daß so ein judenstaat kein ding ist, die ist dann auch noch ein argument gegen die juden und nicht gegen die, die denen halt nirgends nicht mal ein sein einräumen wollen. der judenstaat an sich ist dann halt der grund, weshalb denen andere ans leder wollen. als ob das davor nicht so gewesen wäre. im gegenteil, da will denen jetzt halt nur von außen ans leben, das geht so nicht.

  5. 5 devnull 14. Januar 2009 um 16:28 Uhr

    @narf

    du verkennst die besondere situation beim umgang mit dem nahost-konflikt.

    ahja, und die wäre?

  6. 6 schütten 15. Januar 2009 um 1:16 Uhr

    mmh, die kommentare unvollständig.

  7. 7 schütten 15. Januar 2009 um 14:12 Uhr

    deine seite schluckt kommentare!

  8. 8 Administrator 15. Januar 2009 um 14:35 Uhr

    kA was da los ist, ich check das mal, hab alles zugelassen was reinkam. sorry.

  9. 9 schütten 15. Januar 2009 um 17:48 Uhr

    @sektunderdbeeren
    „Jüdinnen und Juden sind kein Volk, sie sind eine Gesellschaft.“
    das versteh ich nicht. gerade der zionismus wollte doch palästina zur heimstätte eben des jüdischen „volkes“ machen, bevor eine emanzipation vielleicht staaten allgemein abschafft. und auch aktuell agiert ja keine jüdische gesellschaft in dem konflikt, sondern der israelische staat, mit einem staatsvolk, das für nationale zwecke dienlich sein muss bzw. gemacht wird.
    wenn ihr auf die trennung der bürgerlichen gesellschaft in einen politischen staat und eine (bürgerliche) gesellschaft anspielt, d.h. die trennung in abstrakten staatsbürger und konkrete private person, die in europa nicht verwirklicht wurde, wobei über jüdinnen und juden einzig die wahrnehmung der „nur“ abstrakt aber nicht konkret dazugehördenden übrigblieb, geht das m.m. nach auch nicht auf. das war einer der wesentlichen gründe des antisemitischen ausschlusses jüdinnen und juden aus den europäischen „völkischen“ nationen. nur gibt es israelischen staat mit tradition, sprache, religion usw. ja. eine bestimmung als staatsvolk ist daher gar nicht so verkehrt.
    in dem sinne gibt es auch keine „historische legitimität“ sondern eine notwendigkeit, sich so zu organisieren. wer sollte das recht darüber auch aussprechen?
    somit kann ich mit devnull mitgehen und euch staatsidealismus vorwerfen, da ihr da eine „schöne israelische gesellschaft“ baut. die besonderheit des staates israel macht das aber nicht aus, sondern seine notwendigkeit (was nichts abfeierungswürdiges ist), die sieht devnull aber nicht.

  10. 10 der wahre fleckso 16. Januar 2009 um 13:26 Uhr

    endlich mal was los hier, was?! :-@

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.